top of page
  • sabrinakatzenberge

Erschaffe deinen eigenen, inneren Garten - wie du im Alltag Magie findest

Die besten Geschichten, schreibt ja bekanntlich immer noch das (eigene) Leben. Und aus diesem eigenen Leben berichte ich euch immer wieder in meinem monatlichen Blog und/oder Newsletter. Das dies nicht immer perfekt zum Monatsanfang passiert, beschreibt auch gut mich selbst. Denn desto mehr ich versuche perfekt zu sein, desto weniger empfinde ich es im Innen und spüre, dass es auch in Ordnung ist, hier zu wachsen und sich den Gegebenheiten des Lebens hinzugeben. Denn der Alltag verlangt meine Präsenz in so vielen Ebenen, dass der Perfektionismus nur hinderlich und ehrlich gesagt auch, sehr stressbesetzt ist. Und lehrt mich doch das Leben gerade etwas ganz anderes: Hingabe zu dem was gerade ist, annehmen aller Emotionen, die gerade da sind.


Dies führt mich auch schon zu meiner neuesten Erkenntnis, von der ich euch nun berichten möchte: in unserem Garten soll für unseren Sohn ein kleiner Pool entstehen. Unser A-Hörnchen liebt das Element Wasser (sein Papa hat es mit dem Wasser eher so wie ein Vampir mit dem Licht - nicht so verträglich diese beiden Elemente; aber er übt sich im Annehmen und für den Sohnemann tut er bekanntlich alles). Also soll nun ein Pool her, damit der Junior nach Lust & Laune plantschen kann. Einzige Herausforderung: die Fläche, welche bereits von unseren Vorbesitzern für einen Pool benutzt wurde, hat sich nun voll und ganz der Natur hingegeben und wurde von einem wundervollen Teppich aus den unterschiedlichsten Grüntönen überzogen. Kurzum: wir hatten alles voller Unkraut. Mein Partner R war schon wieder voller Enthusiasmus und bereits mit einem Fuß im Auto, um beim Baumarkt die schnelle Lösung mittels Unkrautvernichter zu kaufen, da durchkreuzte ich seine Pläne mit meinem grünen Gewissen und forderte ein, dass wir dies doch per Hand machen, um dem Boden nicht noch mehr Chemie zuzumuten. Was natürlich sofort auf totale Begeisterung meines Gegenübers traf :-) Aber gut, aus Liebe zu mir, wurde meinem Wunsch nachgegangen (und wahrscheinlich auch, damit ich mit meinen laienhaften Belehrungen rund um die Bedeutung eines gesunden Bodens aufhöre).

In mühevoller Kleinarbeit haben wir alle gemeinsam (auch A-Hörnchen war begeistert mit dabei), jede einzelne Pflanze, jedes einzelne Grasbüschel und Unkraut aus dem Boden entfernt. Wir knieten am Boden in der prallen Sonne, der Schweiß lief uns runter und R war am Schimpfen, dass der gute Mundl (aus "Ein echter Wiener geht nicht unter"; Gott hab unseren Karl Merkatz selig) stolz auf ihn gewesen wäre. Auch unser A-Hörnchen fuhr mit einer Ladung nach der anderen in seinem kleinen LKW allen Unrat weg. Eine Plage für alle, könnte man meinen.


Als ich da so kniete, im gleisenden Licht der Sonne, merkte ich jedoch, wie ich immer ruhiger wurde. Mit jedem Büschel an "Unkraut", welches ich mit meinen Händen aus der Erde zog, wurde ich entspannter und klarer. Jeder Centimeter den wir vorwärts kamen, befreite nicht nur die Fläche, sondern auch unser Inneres. Wir wurden insgesamt als Team immer leiser und arbeiteten Stück für Stück an unserem gemeinsamen Projekt. Der Prozess hatte einen so stark meditativen Charakter, dass ich nicht umher kam, mir Schlüsse für meine Yogapraxis zu ziehen. Ist es doch so, dass die Yogapraxis (und wenn ich hier von Yogapraxis spreche meine ich Körperarbeit, Atemarbeit und Meditation) uns lehrt, dass wir unseren Geist durch körperliche "Arbeit" in Verbindung mit einer klaren Absicht und unserem Atem zur Ruhe bringen, um der Seele wieder ein Stück weit näher zu kommen. Genau so fühlte es sich auch an. Ich sah nicht mehr die Arbeit, welche vor uns lag, sondern ich sah, wie ich mich befreite. Atemzug für Atemzug, Unkraut für Unkraut, Bewegung um Bewegung, wurde ich leichter. Jedes entfernte Grasbüschel aus dem Boden führte dazu, dass ich sich wieder eine neue Fläche für ein neues Bewusstsein in mir öffnete. Ich verstand mit jedem Centimeter an freier Fläche Boden vor mir, wie ich mich selbst über Jahre (Jahrzehnte um ehrlich zu sein) zuwuchern hab lassen. Mich nicht selbst darum gekümmert habe, dass sich meterhohes Unkraut über mein Bewusstsein, über mich als Mensch ausbreitete. Ich kann es kaum in Worte fassen, was sich hier für ein Learning in dem Moment für mich eröffnete, möchte es aber versuchen und einen kleinen Teil meiner eigenen Geschichte hier für euch preis geben; vielleicht berührt es die ein oder den anderen von euch und dient als Inspiration für das eigene Wachstum.


Das Unkraut steht in dieser Geschichte für all den Sch***, welchen ich in meinem Leben angehäuft habe. Negative Glaubenssätze, ungesunde Verhaltensmuster, toxische Beziehungen und vor allem das größte und am dicksten verwurzelte Unkraut - mein Opferverhalten. Über Jahre gab ich die Schuld an meinem Dasein und an allem was in meinem Leben "passiert", meinem Umfeld. Die Trennung meiner Eltern, das Mobbing meiner "Freunde" in der Volksschule, meine Ex-Partner, die mich betrogen und belogen haben. Ich war immer das arme Opfer und hab gelernt, dass ich durch das Opferdasein Anerkennung und ja - auch Liebe erhalte. Wenn ich "arm" bin und bemitleidet werden, ja dann bekomme ich Aufmerksamkeit und werde geliebt. Meine tiefsten Glaubenssätze waren "Ich bin nicht gut genug", "Ich werde nur geliebt, wenn ich leide" und "gehe am besten immer vom schlimmsten aus, denn dann kann die Realität dich zumindest nur mit Neutralität strafen". Ein positives, nährendes Bild von der Welt, ja von mir selbst, kam mir gar nicht in den Sinn. Eine Version von mir, welche glücklich und erfolgreich ist sowie einfach nur für ihr Sein geliebt wird, kam mir nicht mal im entferntesten in den Sinn. Mein Bewusstsein (der Boden voller Unkraut), war sehr auf Mangel und Zweifel ausgerichtet, welche aus der Erfahrung aus meiner Kindheit und auch all den aus meinen negativen Glaubenssätzen heraus manifestierten Erlebnissen geformt wurde. Über all die Jahre habe ich im Außen nach Bestätigung gesucht. Konnte nur durch Leid Nähe erzeugen. Habe mich nur geliebt gefühlt, wenn man sich um mich kümmerte.

Heute weiß ich, dass auch das Teil meiner Geschichte ist und dass auch diese Zeit so wertvoll für mich als Mensch und mein Wachsen war, wie jede positive Geschichte und Wandlung. Gerade diese "dunklen" Zeiten, haben mich hinschauen lassen zu dem Teil meines Seins, welcher noch heilen darf, welcher sich entwickeln darf. Lange habe ich all diese Themen verdrängt, bis sie sich Wut, Angst & Panikattacken manifestiert haben. Auch das wollte ich dann weg haben und ließ wieder andere für mich entscheiden, was das Beste für mich ist. Die Opferrolle lässt wieder grüßen und zwar mit winkenden Armen, wie die eines Oktopusses. Genau so viele Arme habe ich über all die Jahre auch nach außen ausgestreckt, um die nötige Hilfe zu bekommen. Und das ist und war auch gut so. Meine Opferrolle hat mich zu all den Menschen gebracht, die meinen Lebensweg mitgehalten und gestaltet haben. Ohne all diese Themen in meinem Leben, wäre ich heute nicht an dem Punkt, an dem ich bin. Ich hätte niemals meine YogalehrerInnen Ausbildung gestartet, ich wäre niemals nach einer schweren Trennung, sofort wieder in eine neue Beziehung, in eine neue Liebe und somit auch zu der größten Überraschung meines Lebens, meinem Sohn, gekommen. Ich hätte vielleicht vernünftigere Entscheidungen getroffen und ja, auch das wäre ein Weg gewesen; vielleicht sogar der leichtere. Aber das ist eben nicht meiner. Wie auch der Unkrautvernichter die scheinbar einfachere Lösung, für den Boden darunter, aber langfristig die weit ungesündere Lösung gewesen wäre. Denn durch die chemische Lösung, wären auch die schönen wilden Blumen, wie Margheriten oder Mohnblumen, welche sich zwischen dem Unkraut finden, niemals wieder hervor gekommen. Und machen doch diese wilden Blumen, auch so einen großen Teil von mir aus. Einen Teil, den ich Stück für Stück wieder hervorhole; den ich wieder zu leben genieße; den ich nicht mehr verstecke, sondern den ich feiere und ins Rampenlicht hole.


Ich kann mich noch erinnern, als ich mit meiner Therapeutin in einer unserer ersten gemeinsamen Sitzungen zusammen saß und ich zu ihr sagte: "Ich weiß, ich sollte mich selbst viel mehr lieben." Daraufhin sah sie mich verständnisvoll aber auch kritisch an und sagte: "Wie soll man etwas lieben, dass man gar nicht kennt? Lerne dein Selbst ersteinmal kennen, um wahrzunehmen, was alles liebenswerte da ist." Die Bedeutung dieser Worte, ist mir heute noch mehr bewusst, als ich zum damaligen Zeitpunkt geglaubt habe. Durch die einfach Arbeit des Entfernens des Unkrauts aus dem Boden, habe ich auch erkannt, dass ich durch all meine "Arbeit an mir", die letzten Jahre, auch all das Unkraut aus meinem Bewusstsein entfernt habe und nun immer mehr erkenne, was unter all diesem Unkraut steckt. Welcher Mensch da auf mich wartet, wenn all die negativen Glaubenssätze über mich und all die Zweifel und Ängste Stück für Stück in Vertrauen und Liebe tranformiert werden. Der Boden meines Bewusstseins wird langsam klarer, ich schaffe eine gesunde Basis, auf der Freude & Leichtigkeit, Liebe & Vertrauen oder auch Abenteuerlust & Neugierde entstehen darf. Der Pool meines Sohnes, das Element Wasser, welches auf diesem neuen Boden Raum gefunden hat, steht für mich für all dies - den Spaß, die Freude und das gemeinsame Wachsen als Individuum & Familie, welches auf diesem klaren Boden entstehen kann. Einen Teil meines Selbst habe ich nun scheinbar gefunden, ich bin wirklich noch gespannt, was es alles an mir zu entdecken gibt.


Der Alltag zeigt uns so viele Möglichkeiten zu wachsen, zeigt uns so viel Potential und Magie. Wenn wir wachsam und voller Neugierde auf alle Emotionen und Stimmungen zugehen und vor allem uns auch jenen Emotionen öffnen, welche wir am liebsten verdrängen wollen (wie in meinem Fall zum Beispiel Angst), dann haben wir die Chance zu unserer vollen Größe zu wachsen. Und zwar unserer Selbst willen. Niemand kann dir diese Arbeit abnehmen, aber du darfst dir Unterstützung holen. Jede Unterstützung auf deinem Weg, kann dich weiter bringen. Scheue dich nicht, auf jene Menschen zuzugehen, welche dir Halt geben können, in Zeiten, in denen du dein volles Potential gerade nicht siehst.

Sobald du deinem Selbst etwas näher gekommen bist, das Unkraut am Boden deines Bewusstseins entfernt und etwas mehr von deinem Selbst siehst, dann kannst du beginnen, DICH zu sehen: dein SELBSTvertrauen, deinen SELBSTwert, deine SELBSTbestimmung. Denn es liegt immer an dir SELBST, was du in deinem Leben erschaffst oder was du draus machst, auch wenn dir Schlimmes widerfahren ist. Und eines vorweg: auch heute habe ich noch nicht all das Unkraut aus meinem Garten entfernt, welches angewachsen ist - dies ist auch gar nicht mein Ziel. Denn dieses Unkraut, schenkt uns ja - wie oben beschrieben - immer wieder eine schöne wilde Blume und auch diese darf ihren Raum finden.


Frag dich nun gerne einmal selbst: Welche Geschichten hält mein Alltag für mich bereit? Ich würde mich freuen, wenn du mir schreibst oder wenn du diesen Artikel als Anlass nimmst, den Geschichten des Alltags etwas mehr zu lauschen. Du kannst dich auch gerne aktiv damit beschäftigen und dir folgende Fragen stellen (oder sie als Anlass nehmen, mit dem Journaling zu beginnen und sie wirklich mal aufzuschreiben):


Was steht sinnbildlich für das Unkraut in meinem Leben? Was habe ich schon in mühevoller Kleinarbeit entfernt? Was ist noch da?

Was bin ich bereit loszulassen? Wo bin ich gerne noch das "Opfer"?

Welche Teile meines Selbst, habe ich bereits integriert? Mit welchen Anteilen von mir fühle ich mich wohl? Mit welchen fühle ich mich nicht wohl? Warum will ich diese "weg haben"? Was versteckt sich dahinter?


In diesem Sinne:

Vielen Dank für die Zeit, die du mir mit dem Lesen dieses Beitrags geschenkt hast.

Vielen Dank für deinen Weg.

Vielen Dank für Dich.


Namasté,

eure Sabrina

P.S.: Inspiriert von meiner Gartenarbeit, habe ich eine Yogaeinheit gestaltet, welche sich mit der Arbeit am eigenen inneren Garten beschäftigt. Am Sonntag, 30. Juli 2023 von 6 - 8 Uhr morgens findet eine extra lange, zweistündige Yogaeinheit im neu gestalteten Paradiesgarten on Moosburg statt (nur 5 Gehminuten von meinem ANIMA Yogastudio entfernt). Diese Einheit in der Natur, lädt dazu ein, sich mit seinen eigenen inneren Elementen rund um das Selbst bekannt zu machen. Du willst mehr dazu erfahren oder dich anmelden, dann klicke auf den Button unter dem Beitrag.




78 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comentários


bottom of page